EVOLUTION?

Lange konnte ich einfach nicht verstehen, wie Menschen überhaupt darauf kommen können, die Evolution grundsätzlich in Frage zu stellen. Denn selbst wenn man die Evolutionstheorie im Detail kritisiert, so ist wohl unleugbar zu sehen, dass weiterhin Entwicklung stattfindet und nichts beim Alten bleibt.

Verwundert habe ich zur Kenntnis genommen, dass gerade in Amerika eine nicht unbeträchtliche Lobby versucht Evolutionsvorstellungen aus Schule und Gesellschaft zu verbannen.
Ich habe den Eindruck, dass im Zentrum all dieser Bemühungen der Versuch steht, den Wert des Menschen an sich zu retten.

Dahingehende Motive anscheinend zunehmender Bemühungen, gegen die Evolutionstheorie vorzugehen, kann ich inzwischen zumindest benennen.
Angesichts der rasanten technologischen Entwicklungen besonders im digitalen Bereich wird der Mensch ganz grundsätzlich in Frage gestellt und sind die Aussichten und Visionen einer evolutionären Weiterentwicklung, die nicht mehr den Menschen als „höchstes Wesen“ in den Blick nehmen, sondern neue Formen der Intelligenz, die den Menschen weit überragen, durchaus beängstigend.

Wenn erwartet und von mächtigen Playern auch angestrebt wird, dass am Point of Singulärity ein digitales Bewusstsein den Menschen bestenfalls noch berücksichtigt, aber logisch erkennbar rasch weit über menschliches Denkvermögen hinaus, machtvoll agieren wird, so ist das nicht nur beängstigend. Das ist eine tiefe Kränkung, das über Jahrtausende erfochtene Selbstverständnis zu verlieren, als unangefochtene Macht an der Spitze der Schöpfung zu stehen.

Zu Freuds narzisstischen Kränkungen, der kosmologischen, der biologischen und der psychologischen fügt sich noch eine vierte, die ich die technologische Kränkung nennen möchte. Das zynische dabei ist, dass es so scheint, als wären wir selbst ursächliche Bedingung. Denn in die kosmo-, bio- und psychologische Bedingtheit sind wir unabdinglich hineingestellt bzw. daraus auch hervorgegangen. Die technologische Entwicklung aber haben wir selbst zu verantworten, zumindest haben wir sie selbst verursacht oder bedingt.

Hier stellt sich mir die Frage, ob wir eine Wahl hatten und ob wir diese Wahl noch immer haben, oder ob wir nicht bereits eine unumkehrbare Entwicklung angestoßen haben, die sich ihren Weg bahnt, egal wie sehr wir uns auch auflehnen?

Dazu kommt mir dann die Mutter unseres Glasermeisters in den Sinn, die lächelnd feststellt: „Das funktioniert nur, solange es Strom gibt“. Sie kann sich das vorstellen, denn sie hat noch eine Zeit erlebt, in der ein Leben ohne Strom möglich war.
Auch Reinhard May hat in den 1970er Jahren den gekränkten Programmierer mit den Worten „dann schneide ich ihm hinterlistig und knapp die Stromkabel ab“ den ultimativen Notstop einleiten lassen. (Klagelied eines sentimentalen Programmierers). Ob er damit die Liebe seines Computers retten konnte bleibt offen.

Ich wage zumindest massiv zu bezweifeln, dass ein globaler Restart unter notwendigerweise massiven Opfern überhaupt gelingen könnte.
Um das zu beurteilen, wäre die obige Frage zu klären, ob wir überhaupt je eine Wahl hatten, oder ob nicht grundlegend die kosmologische Eigenschaft der Weiterentwicklung auch auf eine Weiterentwicklung von Bewusstsein und Weisheit zustrebt. Wenn dem so ist, wäre die Kollektivierung des Bewusstseins und der Weisheit zu einem größeren Ganzen, wie sie digitale Technologien zu ermöglichen scheinen, durchaus als eine sich abzeichnende Möglichkeit zu akzeptieren. Oder entwickeln wir doch nur digitale Werkzeuge und liegt es doch (noch) in unserer Verantwortung, wie wir diese einsetzen? Und wird die Idee der starken künstlichen Intelligenz neben und ähnlich der Macht des freien Marktes nur als eine Ausrede verwendet, um nicht Verantwortung übernehmen zu müssen?

Letzteres würde dringendst einen globalen Aufschrei benötigen, um die stattfindenden  Machtverschiebungen zu relativieren und Verantwortung der Macher einzufordern.
Dafür würde es aber nicht nur eine Bündelung kritischer Kräfte benötigen, sondern einer Grundlegung der zu verteidigenden Werte, die verantwortliche Nutzung digitaler Technologien als Maßstab dienen sollten. Die Menschenrechte scheinen mit dafür nicht auszureichen.

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Let´s be evil

Auf den ersten Blick scheint der gleichnamige Film aus dem Jahr 2016 low budget und teilweise nicht stringente in seiner Story, denn wer behält schon die verdammte Brille auf, wenn die einem zunehmend die Bedrohung vorspielt.

Rückblickend aber scheint er mir doch auch in seiner Form als kindliches Spiel gesehen, doch ganz passend , wenn man versucht, das Setting als Ganzes nach einer Motivation zu befragen.
Ausgangspunkt ist die Verbesserung oder gar Optimierung der Bildung, wobei laborartig menschliche Intelligenz maximal gefördert werden soll. Nachvollziehbar beginnt das am möglichst jungen „Objekt“ – hochintelligente Kinder, die ihren IQ konzentriert zu Höchstleistungen hocharbeiten.
Dass sie dennoch Kinder sind, wird scheinbar vernachlässigt. Kinder aber wollen spielen, wie die Betreuerin Jenny nebenbei bemerkt und sich wundert, dass das in diesem Lernsetting keinen Platz zu haben scheint.
Konsequenterweise läuft es dann auf ein Spiel der Kinder hinaus, wobei das Spielzeug mächtig ist und die Wirkungen gruselig inszeniert im Horror landen.

Mir drängt sich die Vorstellung auf, dass in der sich gerade im IT Bereich zunehmend breit machenden Startup Kultur immer jüngere, durchaus intelligente Menschen spielerisch die digitale Welt von Morgen entwerfen. Wer aber trägt die Verantwortung für die Richtung, in die die „Spielenden“ und ihre „Spiele“ laufen, wenn die Geldgeber all zu oft konkurrenzorientiert den Blick auf die Profitmaximierung haben, und immer weniger von dem verstehen, was die, die das „Spielzeug“ selbst gleich mit weiterentwickeln, so treiben? Wer reflektiert die ethischen Grundlagen der digitalen „Spiel“-Welten und deren moralische Konsequenzen? Wer steckt die Grenzen dessen, was als verantwortbar für eine gesunde Entwicklung dabei herauskommen darf und was nicht?
Ich hoffe, es ist klar, dass ich „Spiel“ hier nicht auf digitale Spiele beschränkt verstanden wissen will, denn viele der Algorithmen die heute unsere Kommunikation und unser globales Wissensmanagement ausmachen, sind durchaus in einem experimentellen, spielerisch anmutenden Umfeld entstanden. Ich gebe zu, es ist förderlich in einer solchen Umgebung kreative Ideen zu entwickeln, aber nicht alles was da aus dem Boden sprießt, ist auch wirklich dem Wohl unserer Weiterentwicklung dienlich, wenn es sich auch noch so gut für Profite eignet.

Möglicherweise schauen wir ob der Erfolge dieses Settings („Kinder an die Macht“?) über Risiken und Nebenwirkungen zu großzügig hinweg.

Aus diesem Blickwinkel scheint mir der Film doch zumindest nachdenkenswerte Fragen aufzuwerfen, auch wenn er schlußendlich auf dem Reifegrad von Kindern bleibt, die noch nicht verstanden haben, dass es nicht immer darum geht zu gewinnen oder zu verlieren. Denn letzlich, so bin ich überzeugt, werden wir viele große und kleine Probleme viel eher durch den Ansatz von win-win lösen, für den aber tiefe Ängste überwunden werden müssten und nicht geschürt, wie im Film.
Oder sollte der Film als Fingerzeig konzipiert sein? Möchte er durch schokieren wachrütteln?
Dazu fehlen mir zumindest Ansätze von Alternativen, bleibt er zu eindeutig in der Lust das „evil“ zu inszenieren.

… und hoffentlich haben wir, wenn wir durch alle die Verwirrung unserer Sinne in den Vexierspiegeln der digitalen Überblendungen den Weg erkennen, den wir beschreiten, nicht so wie Jenny im Film, schon längst verloren.

 

 modern war

Es handelt sich nicht um science fiction, auch wenn das, was man darüber lesen oder hören kann, oft unglaublich scheint und futuristisch anmutet. Die für Kriegszwecke  entwickelte Robotik gepaart mit digitaler „Intelligenz“ (KI geht mir hier als Begriff zu weit, denn noch! basiert die Steuerungstechnik auf festen Algorithmen, „computational“ und nicht evolutionär intelligent) ist realer als uns allen lieb sein sollte.

Wie passend, dass auch dieses Thema gerade rund um Weihnachten, dem „Fest des Friedens“ auf dem 33c3 im Bereich der zunehmenden Automatisierung von Drohnen thematisiert wird.

Seit längerem verfolge ich die Initiative „Stop Killer Robots“. Bewusstsein fördern scheint mir wichtig, weil sich Politik oft erst um Themen kümmert, wenn damit Stimmen gemacht werden können und dazu müssen schon ausreichende stimmen vorhanden sein.

Wünschenswert wäre, wenn klare internationale Vereinbarungen getroffen werden könnten, die den Einsatz von Robotik und von Entscheidungen durch digitale Algorithmen im Kriegsfsall begrenzen.

Biofeedback

Wie konnte ich trotz so vieler Erfahrung nur erwarten, dass Verbesserungen an meiner Wirbelsäule ohne psychische Entwicklungen möglich werden könnten?

In vielen Jahren habe ich mich durch massive Schmerzen von meinem Steißbein, bis zu den Brustwirbeln hochgarbeitet und gelernt, immer aufrechter zu stehen.
Immer habe ich mich dazu als Ganzes weiterentwicklen müssen und auch so manche schmerzhafte Erfahrung psychischer Natur überwinden dürfen.
So ist es gelungen, über weite Strecken schmerzfrei und immer zufriedener zu leben.

Wenn ich mich derzeit mit meinem Brustwirbel plage – oder er mich – und den daraus resutlierenden Verspannungen im Nacken, so bleibt das nicht ohne Wirkung auf meine menatale und psychische Befindlichkeit.
 Weitere Entwicklungsschritte stehen an?

Was sonst?
Das ist Leben!

GEBURT s TAG

Nicht der aktuell weltweit gefeierte Tag der Christen ist es, der mich primär bewegt, sondern mein eigener vor zwei Tagen.
Es ist schon ein seltsames, WUNDERbares Ereignis, so eine Geburt. Und ich weiß, wovon ich spreche, habe ich immerhin die vier Geburten meiner Kinder hauthnah miterlebt.
Es ist nachvollziehbar für mich, dass es ein heiliges Fest dafür gibt.

Ich selbst erlebe die Tage meiner Geburt jedes Jahr wieder, so lange ich mich daran erinnern kann, mit sehr gemischten Gefühlen. Auch wenn ich schon oft versucht habe, eine positive Haltung zu bewahren, so lande ich doch unterschiedlich tief, in einer mich aus dem Alltag reißenden Einsamkeit.
Hineingeworfen in das Sosein – mit dieser Wahrnehmung bin ich nicht alleine.
Ich würde auch das Wort „Zusammenbruch“ dafür wählen. Aus unendlichen Möglichkeiten bricht etwas bestimmtes heraus, manifestiert sich und grenzt sich ab gegenüber allem anderem. Dabei ist diese Manifestation nie ohne Verbindung und immer auch in Abhängigkeit zu allem anderem Gewordenen. Diese Verbundenheit sehe ich ganz und gar nicht spirituell, sondern handfest physikalisch. Verbunden ja, aber nicht in einem notwendigen kausalen Ursache-Wirkungs-Verhältnis. Der „Spiel“raum des Zufalls und somit auch des freien Willens macht diese Welt erst lebendig in meinem Verständnis.

Die Wahrnehmung der Einsamkeit entlang meines Geburtstraumas scheint sich zu Silvester hin zu überlagern mit mindestens einem weiteren, tief erschütternden Trauma, das mich täglich begleitet, das mich geprägt und wesentlich dazu beigetragen hat, dass ich so bin, wie ich heute bin.
Mich selbst positiv anzunehmen und Gutes von mir zu erwarten, ist die daraus erwachsene Übung, um zwischendurch Zufriedenheit zu erleben und mich durch das Grunderlebnis der Einsamkeit hindurch anderen in Liebe verbunden zu erleben.
Eine unüberwindliche Distanz, die mich immer und immer wieder schmerzhaft auf mich selbst zurückwirft.
Wenn ich mich umsehe, habe ich den Eindruck, dass ich damit nicht alleine bin und siehe da, auch darin erlebe ich Verbundenheit.

Begrenztes Leben im ICH sehnsüchtig hin zum DU ein unreifes WIR gebährend.

Sprache konstruiert Welt

Mein jüngster Sohn hat den Film „Arrival“ für unseren Kinobesuch ausgewählt.

Science-Fiction, mag ich gerne, auch wenn mir Filme oft zu viel „Tschin-Bumm“ enthalten und ich lieber lese. Umso mehr hat mich dieser Film positiv überrascht und vielleicht ist er deshalb medial nicht so präsent. Er ist erstaunlich ruhig und geht unter die Haut.

Die zentrale These, die konsequent herausgearbeitet wird, könnte man so zusammenfassen:
Beim Lernen einer neuen Sprache verändert sich die Sicht auf die Welt.
Es wird darauf verwiesen, dass beim Lernen einer neuen Sprache neue „Verbindungen“ im Gehirn entstehen, dass man eine neue Kultur verstehen lernt und damit dann auch die Welt neu versteht, dass die neue Sprache einen also als Ganzes verändert.
In einer von Liebe in einem großen Sinn getragenen Geschichte, wird diese These in berührende Form gebracht und die Bedeutungsvielfalt selbst der eigenen Sprache verdeutlicht. Sprache kann sogar als Waffe bezeichnet werden und als solche zugleich als DER Weg zum Frieden erscheinen.

Beim Verlassen des Kinos hatte ich den Eindruck, dass ich die Welt mit neuen Augen sehe. Das haben bislang nicht so viele Filme ausgelöst und bislang vor allem eher durch neue Bildtechniken, die Schauen verändert haben, wie etwa Matrix.
Arrival erreichte dagegen viel schleichender meine Synapsen.

SELBSTexpoEXPLOratioN

Ein kurzweiliger Vortrag von Toni Innauer bei einer Weiterbildung hat mich an manchen Stellen tief berührt und zwar besonders dort, wo er auf die Zusammenhänge in seiner Biographie bis hin in die Kindheit verwiesen hat, die für seine spätere Karriere von Bedeutung waren.

Beim Schreiben über mich hier im Profil des Blogs, wurde mir wieder einmal bewusst, auf wie viel Erfahrung ich zurückgreifen darf. Trotzdem stehe ich auch heute vor jedem Lernschritt wieder vor Neuem. Wie hat Innauer gesagt: „Beim Lernen ist es so, dass man immer mit etwas Neuem konfrontiert ist, das man noch nicht kennt.“
Ja, auch heute lerne ich stetig. Das Leben ist nie gleich, jeder Tag birgt Neues und damit Potential zur Entwicklung. Ich würde sogar sagen, wer aufhört zu lernen, lebt nicht.

Trotz aller Erfahrung bin ich immer wieder herausgefordert, kann ich mich nicht alleine auf bereits Gelerntes verlassen. Das hält mich lebendig, auch wenn es mir manchmal mühsam vorkommt und ich immer wieder auch ausweiche – nicht schon wieder etwas Neues.

Neben ruhigeren Lebensphasen, in denen sich Gelerntes konsolidieren und bewähren darf, braucht es auch Zeiten, in denen man den Blick zurück wendet. Mir war es zumindest immer wieder eine Hilfe und konnte ich größere Entwicklungsschritte nur machen, wenn ich meine Geschichte nicht aus den Augen verloren habe. Das kann erfreulich sein – „fein, was ich geschafft habe“ – aber auch sehr schmerzhaft sein, wenn man mit eigenen Fehlern und Schwächen konfrontiert ist und auch mit denen der anderen, die sich gerade in frühen Jahren auf einen ausgewirkt haben. Hilfreich ist es allemal gewesen.

Entwicklung und Lernen verwende ich hier fast synonym. Ich bin überzeugt, dass sie zwei Blickrichtungen auf ein und das selbe benennen. Lernen ist oft auf scheinbar objektives gerichtet (einen Wissensinhalt, eine handwerkliche Fertigkeit, …), während Entwicklung persönliches meint (Denkweisen, Haltungen, Emotionen, …). In meiner Erfahrung hängen diese beiden sehr sehr eng zusammen.
Kein Lernen ohne Entwicklung und keine Entwicklung ohne Lernen.