Let´s be evil

Auf den ersten Blick scheint der gleichnamige Film aus dem Jahr 2016 low budget und teilweise nicht stringente in seiner Story, denn wer behält schon die verdammte Brille auf, wenn die einem zunehmend die Bedrohung vorspielt.

Rückblickend aber scheint er mir doch auch in seiner Form als kindliches Spiel gesehen, doch ganz passend , wenn man versucht, das Setting als Ganzes nach einer Motivation zu befragen.
Ausgangspunkt ist die Verbesserung oder gar Optimierung der Bildung, wobei laborartig menschliche Intelligenz maximal gefördert werden soll. Nachvollziehbar beginnt das am möglichst jungen „Objekt“ – hochintelligente Kinder, die ihren IQ konzentriert zu Höchstleistungen hocharbeiten.
Dass sie dennoch Kinder sind, wird scheinbar vernachlässigt. Kinder aber wollen spielen, wie die Betreuerin Jenny nebenbei bemerkt und sich wundert, dass das in diesem Lernsetting keinen Platz zu haben scheint.
Konsequenterweise läuft es dann auf ein Spiel der Kinder hinaus, wobei das Spielzeug mächtig ist und die Wirkungen gruselig inszeniert im Horror landen.

Mir drängt sich die Vorstellung auf, dass in der sich gerade im IT Bereich zunehmend breit machenden Startup Kultur immer jüngere, durchaus intelligente Menschen spielerisch die digitale Welt von Morgen entwerfen. Wer aber trägt die Verantwortung für die Richtung, in die die „Spielenden“ und ihre „Spiele“ laufen, wenn die Geldgeber all zu oft konkurrenzorientiert den Blick auf die Profitmaximierung haben, und immer weniger von dem verstehen, was die, die das „Spielzeug“ selbst gleich mit weiterentwickeln, so treiben? Wer reflektiert die ethischen Grundlagen der digitalen „Spiel“-Welten und deren moralische Konsequenzen? Wer steckt die Grenzen dessen, was als verantwortbar für eine gesunde Entwicklung dabei herauskommen darf und was nicht?
Ich hoffe, es ist klar, dass ich „Spiel“ hier nicht auf digitale Spiele beschränkt verstanden wissen will, denn viele der Algorithmen die heute unsere Kommunikation und unser globales Wissensmanagement ausmachen, sind durchaus in einem experimentellen, spielerisch anmutenden Umfeld entstanden. Ich gebe zu, es ist förderlich in einer solchen Umgebung kreative Ideen zu entwickeln, aber nicht alles was da aus dem Boden sprießt, ist auch wirklich dem Wohl unserer Weiterentwicklung dienlich, wenn es sich auch noch so gut für Profite eignet.

Möglicherweise schauen wir ob der Erfolge dieses Settings („Kinder an die Macht“?) über Risiken und Nebenwirkungen zu großzügig hinweg.

Aus diesem Blickwinkel scheint mir der Film doch zumindest nachdenkenswerte Fragen aufzuwerfen, auch wenn er schlußendlich auf dem Reifegrad von Kindern bleibt, die noch nicht verstanden haben, dass es nicht immer darum geht zu gewinnen oder zu verlieren. Denn letzlich, so bin ich überzeugt, werden wir viele große und kleine Probleme viel eher durch den Ansatz von win-win lösen, für den aber tiefe Ängste überwunden werden müssten und nicht geschürt, wie im Film.
Oder sollte der Film als Fingerzeig konzipiert sein? Möchte er durch schokieren wachrütteln?
Dazu fehlen mir zumindest Ansätze von Alternativen, bleibt er zu eindeutig in der Lust das „evil“ zu inszenieren.

… und hoffentlich haben wir, wenn wir durch alle die Verwirrung unserer Sinne in den Vexierspiegeln der digitalen Überblendungen den Weg erkennen, den wir beschreiten, nicht so wie Jenny im Film, schon längst verloren.

 

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Sprache konstruiert Welt

Mein jüngster Sohn hat den Film „Arrival“ für unseren Kinobesuch ausgewählt.

Science-Fiction, mag ich gerne, auch wenn mir Filme oft zu viel „Tschin-Bumm“ enthalten und ich lieber lese. Umso mehr hat mich dieser Film positiv überrascht und vielleicht ist er deshalb medial nicht so präsent. Er ist erstaunlich ruhig und geht unter die Haut.

Die zentrale These, die konsequent herausgearbeitet wird, könnte man so zusammenfassen:
Beim Lernen einer neuen Sprache verändert sich die Sicht auf die Welt.
Es wird darauf verwiesen, dass beim Lernen einer neuen Sprache neue „Verbindungen“ im Gehirn entstehen, dass man eine neue Kultur verstehen lernt und damit dann auch die Welt neu versteht, dass die neue Sprache einen also als Ganzes verändert.
In einer von Liebe in einem großen Sinn getragenen Geschichte, wird diese These in berührende Form gebracht und die Bedeutungsvielfalt selbst der eigenen Sprache verdeutlicht. Sprache kann sogar als Waffe bezeichnet werden und als solche zugleich als DER Weg zum Frieden erscheinen.

Beim Verlassen des Kinos hatte ich den Eindruck, dass ich die Welt mit neuen Augen sehe. Das haben bislang nicht so viele Filme ausgelöst und bislang vor allem eher durch neue Bildtechniken, die Schauen verändert haben, wie etwa Matrix.
Arrival erreichte dagegen viel schleichender meine Synapsen.